Mehr Patienten behandelt

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Rhein-Zeitung 26.01.2016

Zwischenbilanz Spezialisierung in Altenkirchen und Hachenburg macht sich bezahlt – Defizit ist spürbar gesunken

Das Defizit sinkt, der Konkurrenzgedanke ist verschwunden, die Patientenzahlen steigen: Das DRK-Verbundkrankenhaus Altenkirchen-Hachenburg ist auf einem guten Weg. Das unterstreicht Bernd Decker, Geschäftsführer der DRK Krankenhaus GmbH mit Sitz in Mainz, im Gespräch mit unserer Zeitung. Seit genau einem Jahr steht fest: Die beiden Häuser in Altenkirchen und in Hachenburg bleiben bestehen; der Gedanke, die Standorte zugunsten eines Neubaus auf der grünen Wiese bei Kroppach aufzugeben, wurde durch Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler verworfen.

Seitdem lautet das Konzept: Die beiden Kliniken bilden jeweils Schwerpunkte, bauen Doppelstrukturen ab und setzen auf Synergien. Diese Strategie ist offenbar von Erfolg gekrönt. „Wir sind ein Krankenhaus geworden“, freut sich der Altenkirchener Bürgermeister Heijo Höfer. Während die beiden Häuser früher in Konkurrenz zueinander lebten und versuchten, sich gegenseitig Patienten abzunehmen, gehört dieser Gedanke seit einem Jahr der Vergangenheit an. So freuen sich die Beschäftigten in Hachenburg wie in Altenkirchen darüber, dass die Zahl der behandelten Patienten 2015 um 322 gestiegen ist – auch wenn in Altenkirchen 245 weniger und in Hachenburg 567 mehr behandelt wurden.

Die Zahlen wirken sich auch auf die Bilanz aus. Wie Bernd Decker berichtet, erfolgt die Finanzierung der Krankenhausleistungen über sogenannte Bewertungspunkte. Für Hachenburg ergab sich bei diesen Punkten ein Zuwachs um 285 Punkte, für Altenkirchen um 38. Da jeder Punkt 3393 Euro wert war, stiegen die Erlöse um rund 1,1 Millionen Euro, wodurch das Defizit sank. Es betrug 2015 unterm Strich etwa 500 000 Euro. Das ist vergleichsweise wenig: 2013 lag es noch bei 1,3 Millionen, 2014 bei 900 000 Euro – jeweils für beide Häuser zusammen. Decker: „Wir sind also auf einem guten Weg.“

Um das rückläufige Defizit richtig einschätzen zu können, weist Geschäftsführer Decker darauf hin, dass im zurückliegenden Jahr eine Großinvestition getätigt wurde: Für 1,8 Millionen Euro schuf die Klinik einen Linksherzkatheter-Messplatz für den Standort Hachenburg. Decker: „Dafür haben wir keine Fördermittel erhalten.“

Auch das Mainzer Gesundheitsministerium bewertet die aktuelle Entwicklung des Verbundkrankenhauses positiv: „Beide Standorte stehen nicht in einem Konkurrenzverhältnis zueinander, sondern erbringen unter gemeinsamer Leitung abgestimmte Leistungen, weil keines der beiden Krankenhäuser für sich alleine in Zukunft bestehen kann“, teilt Pressesprecherin Johanna Bock auf Anfrage unserer Zeitung hin mit. Die Veränderungen in Hachenburg wirkten sich positiv für den Verbund und damit auch für Altenkirchen aus.

Diese Veränderungen betreffen nicht nur die Errichtung des erwähnten Linksherzkatheter-Messplatzes, sondern auch die Erweiterung des Angebots in Hachenburg. Mit dem Planbettenbescheid vom Dezember hatte das Ministerium hierfür 20 zusätzliche Betten innerhalb der Innere Medizin genehmigt.

Zu der positiven Entwicklung haben auch Veränderungen beim medizinischen Personal beigetragen. So hat Dirk Werner zum Jahresbeginn die lange vakante Stelle des Chefarztes für Innere Medizin am Standort Altenkirchen übernommen. Dr. Hans-Walter Müller übernahm die ärztliche Leitung des Bereichs Allgemein- und Viszeralchirurgie in Hachenburg. Des Weiteren wird Claudia Kückelhaus, Fachärztin für Radiologie, am 1. Februar ihre Tätigkeit aufnehmen. Und mit Dr. Jürgen Bludau, dem Chefarzt für Innere Medizin, ist das DRK-Krankenhaus in der Lage, das landesweit beachtete Projekt Alterstraumatologie umzusetzen.

Der Altenkirchener Landrat Michael Lieber ist sehr froh, dass die Veränderungen geräuschlos über die Bühne gegangen sind und das Verbundkrankenhaus insgesamt auf einem guten Weg ist. Insofern waren er und die Klinikleitung irritiert über die „Störfeuer von außen“, über die unsere Zeitung kürzlich berichtete. Von der angeblichen Unruhe in der Belegschaft sei in Wahrheit überhaupt nichts zu spüren. Im Krankenhaus werde hervorragende Arbeit geleistet, unterstreicht auch der frühere Landrat und Vorsitzende des Krankenhaus- Fördervereins Dr. Alfred Beth: „Das Verbundkrankenhaus Altenkirchen-Hachenburg ist eine Erfolgsgeschichte.“

Das kann Bürgermeister Höfer nur bestätigen und verweist dazu darauf, dass niedergelassene Ärzte aus der Region mittlerweile wieder ihre Patienten zum DRK-Krankenhaus schicken und nicht mehr in weit entfernte Kliniken.